
Du hast den Mietvertrag unterschrieben, die ersten Möbel stehen, das WLAN läuft. Und dann merkst du: Die drei Steckdosen im Raum reichen hinten und vorne nicht. Monitor, Laptop, Drucker, Ladegerät, Router, Schreibtischlampe. Schnell liegen Mehrfachsteckdosen kreuz und quer auf dem Boden, Kabel schlängeln sich unter Schreibtischen hindurch, und der Brandschutzbeauftragte bekommt beim nächsten Besuch graue Haare.
Gerade in Gründungsphasen wird die Elektroinstallation gern auf die lange Bank geschoben. Verständlich, es gibt schließlich dringendere Themen: Kundenakquise, Finanzierung, Produktentwicklung. Aber eine durchdachte Stromversorgung im Büro spart langfristig Geld, Nerven und Sicherheitsrisiken. Und sie muss weder teuer noch aufwändig sein, wenn du die richtigen Entscheidungen triffst.
Das Wichtigste in Kürze
- In angemieteten Altbau-Büros fehlen oft genügend Steckdosen für moderne Arbeitsplätze; pro Schreibtisch werden mindestens vier bis sechs Steckdosen empfohlen (DIN 18015-2).
- Aufputz-Installationen bieten Gründern die Möglichkeit, Steckdosen schnell und kostengünstig nachzurüsten, ohne Wände aufzubrechen oder den Vermieter um Genehmigung für bauliche Eingriffe zu bitten.
- Fehlende oder überlastete Steckdosen sind eine der häufigsten Brandursachen in Büros; das Gesamtrisiko lässt sich durch eine saubere Elektroplanung erheblich senken.
Das Steckdosen-Problem in Gründer-Büros
Die meisten Gewerberäume, die für Startups in Frage kommen, sind keine Neubauten. Es sind ehemalige Ladenlokale, Altbau-Wohnungen mit Gewerbeerlaubnis oder umfunktionierte Werkstätten. Was sie gemeinsam haben: Die Elektroinstallation stammt aus einer Zeit, in der pro Raum zwei Steckdosen als ausreichend galten.
Heute sieht die Realität anders aus. Ein einzelner moderner Arbeitsplatz braucht Strom für Monitor (manchmal zwei), Laptop oder PC, Dockingstation, Tischlampe, Ladegerät fürs Handy und eventuell einen Bildschirmständer mit USB-Ports. In der Teeküche kommen Wasserkocher, Kühlschrank und Kaffeemaschine dazu. Im Besprechungsraum wollen Beamer und Konferenztechnik versorgt werden.
Wer dieses Defizit mit Mehrfachsteckdosen und Verlängerungskabeln löst, schafft sich gleich drei Probleme: Stolperfallen, Überlastung der vorhandenen Leitungen und ein Brandschutzrisiko, das Versicherungen im Schadensfall gern als Argument nutzen, um die Leistung zu kürzen.
Aufputz nachrüsten: Die pragmatische Lösung
In vielen Mietverhältnissen darfst du gar nicht einfach Schlitze in die Wand fräsen. Der Vermieter hat ein Wörtchen mitzureden, und bei denkmalgeschützten Gebäuden oder besonderen Wandaufbauten (Fachwerk, Sichtbeton) ist Unterputz-Installation schlicht nicht möglich oder unverhältnismäßig teuer.
Aufputz-Steckdosen bieten einen Ausweg. Sie werden auf der Wandoberfläche montiert, die Kabelführung erfolgt über Kabelkanäle, die sich beim Auszug rückstandsfrei entfernen lassen. Für Gründer, die vielleicht in zwei Jahren in größere Räume ziehen, ist das ein echtes Argument: Du investierst in eine ordentliche Installation, ohne Fakten zu schaffen, die du beim Auszug wieder rückbauen lässt.
Die Montage geht schnell. Ein Elektrofachbetrieb rüstet einen Raum mit vier bis sechs zusätzlichen Steckdosen in der Regel innerhalb eines halben Tages nach. Staub, Lärm und Betriebsstörungen sind minimal.
Moderne Aufputz-Systeme: Mehr als weiße Plastikkästen
Falls du jetzt an die klobigen Aufputz-Dosen aus dem Baumarkt-Regal denkst: Vergiss dieses Bild. Professionelle Schalterserien bieten Aufputz-Programme, die optisch mit Unterputz-Installationen mithalten können.
Die Aufputz Steckdose von Merten etwa ist Teil eines durchgängigen Designsystems mit abgestimmten Rahmen, Schaltern und Dosen. Das Ergebnis sieht aufgeräumt aus und lässt sich farblich an die Raumgestaltung anpassen. Wer Wert auf ein professionelles Erscheinungsbild im Büro legt, etwa weil regelmäßig Kundschaft oder Investoren vorbeikommen, findet hier eine Lösung, die funktional und ästhetisch überzeugt.
Dazu kommen Kabelkanäle in verschiedenen Breiten und Farben, die sich dezent an der Fußleiste oder entlang der Decke führen lassen. In Kombination mit dem richtigen Kabelmanagement am Schreibtisch entsteht ein aufgeräumtes Gesamtbild.
Was kostet die Nachrüstung konkret?
Lass uns ehrlich rechnen. Die Materialkosten für eine einzelne Aufputz-Steckdose inklusive Abdeckung und Rahmen liegen je nach Hersteller und Serie zwischen 5 und 25 Euro. Kabelkanal kostet pro laufendem Meter etwa 2 bis 8 Euro. Dazu kommt das Installationskabel (NYM-J, meist 3×2,5 mm²), das mit etwa 1 bis 2 Euro pro Meter zu Buche schlägt.
Der Löwenanteil der Kosten entfällt auf den Elektriker. Je nach Region und Betrieb kannst du mit 50 bis 80 Euro pro Stunde rechnen. Für die Nachrüstung von sechs Steckdosen in einem Raum, inklusive Kabelkanal und Anschluss an den Sicherungskasten, brauchst du typischerweise drei bis fünf Stunden. Macht in Summe rund 250 bis 500 Euro, Material und Arbeit zusammen.
Zum Vergleich: Eine einzige Unterputz-Steckdose nachzurüsten kostet mit Stemmarbeiten, Verputzen und Malerarbeiten schnell 150 bis 300 Euro. Multipliziert mit sechs Steckdosen landest du bei 900 bis 1.800 Euro. Da wird der Unterschied deutlich.
Typische Fehler bei der Büro-Elektrik
Aus der Praxis vieler Gründer-Büros lassen sich ein paar wiederkehrende Fehler destillieren, die du leicht vermeiden kannst:
Steckdosen an der falschen Stelle planen. Klingt banal, passiert aber ständig. Überleg dir vor der Installation, wo die Schreibtische stehen werden, und platziere die Dosen in Schreibtischhöhe (ca. 30 cm über Tischplatte) oder bodennah hinter den Möbeln. Steckdosen auf Kniehöhe in der Raummitte nutzt niemand gern.
Zu wenige Stromkreise einplanen. Wenn zehn Arbeitsplätze auf einem einzigen 16-Ampere-Stromkreis hängen, fliegt bei gleichzeitigem Einschalten aller Rechner die Sicherung. Ein Elektriker dimensioniert die Kreise so, dass die Last verteilt wird.
FI-Schutzschalter vergessen. In vielen älteren Gebäuden fehlt ein Fehlerstrom-Schutzschalter (RCD) für die Steckdosenkreise. Die aktuelle Norm DIN VDE 0100-410 schreibt ihn für alle Steckdosenstromkreise bis 32 A vor. Bei einer Nachrüstung sollte der Elektriker das gleich mit prüfen und gegebenenfalls nachrüsten.
Elektrik im Coworking-Space: Besondere Anforderungen
Wenn dein Startup in einem Coworking-Space sitzt, hast du auf die Grundinstallation meist keinen Einfluss. Aber auch hier lohnt sich ein Blick auf die vorhandene Infrastruktur. Gibt es genügend Steckdosen pro Arbeitsplatz? Sind die Stromkreise getrennt, oder fliegt die Sicherung, wenn nebenan jemand den Staubsauger anwirft?
Wer selbst einen Coworking-Space betreibt oder mitgestaltet, sollte großzügig planen. Laut der DIN 18015-2 (Elektrische Anlagen in Wohngebäuden, die auch als Orientierung für Büros dient) werden pro Arbeitsplatz mindestens drei Doppelsteckdosen empfohlen. In der Realität heißt das: Lieber eine Steckdose mehr als eine zu wenig.
Aufputz-Installationen sind hier ideal, weil sie sich flexibel anpassen lassen. Wenn ein Bereich umgebaut oder die Arbeitsplätze neu angeordnet werden, lassen sich Kabelkanäle und Steckdosen mit überschaubarem Aufwand versetzen. Bei Unterputz wäre das jedes Mal eine kleine Baustelle.
Zukunftssicher planen: Smart-Home und Ladeinfrastruktur
Noch ein Gedanke für vorausschauende Gründer: Die Elektroinstallation, die du heute planst, sollte auch die Anforderungen von morgen abdecken. Zwei Trends zeichnen sich ab.
Erstens: Smarte Steuerung. Steckdosen mit integrierter Funksteuerung (Zigbee, KNX oder proprietäre Systeme) ermöglichen es, Verbraucher per App zu schalten oder den Stromverbrauch zu monitoren. Für Unternehmen, die ihren Energieverbrauch dokumentieren wollen (Stichwort ESG-Reporting), kann das perspektivisch relevant werden.
Zweitens: Ladeinfrastruktur für E-Mobilität. Wer einen Firmenwagen fährt oder Ladepunkte für Mitarbeitende plant, braucht in der Tiefgarage oder am Stellplatz Starkstromanschlüsse. Das erfordert eine Abstimmung mit dem Vermieter und dem Netzbetreiber, aber je früher du das Thema anstößt, desto besser.
